2013-03-03

Ein wütender Tag



Der wütende Mann stand heute wütend auf und kochte wütend seine drei Lieblingsgerichte, aß wütend seine Spaghetti Bolognese, aß wütend seine Lasagne, aß schließlich wütend ein American Breakfast. Danach sah er sich wütend den Trololo Mann in der Schleife an, und im Anschluss sah er sich wütend drei Filme von Guy Maddin, drei Filme von Jaques Tati und danach noch drei von Helge Schneider an, allesamt sehr wütend, und während im Hintergrund weitere Filme wüteten, las er die neuesten Ausgaben der Daily Mary und wurde dabei sehr wütend und hörte deswegen wütend seine drei Lieblingsschallplatten der Beach Boys (Friends, Sunflower und Smiley Smile), und redete danach eine wütende Weile lang mit Jonathan Richman in einem wütenden Gespräch, das sich ausschließlich um die Ästhetik von Neonreklameschildern drehte, ging danach raus ins Freie und fütterte ein paar wütende Vögel ganz wütend mit Kürbiskernen und Pistazien und ging danach wütend rüber zu den Kindern vom kleinen Genossenschafts–Spielplatz und baute mit ihnen einen ziemlich wütenden Schneemann, dann ging er wieder rauf und spielte mit der Katze von der Nachbarin wütend Fangen und sang ihr wütendes Baby in den Schlaf und blieb selber dabei weiter wütend, ging wieder auf sein wütendes Zimmer und chattete sieben Stunden lang recht wütend mit Eszter Balint, der ungarischen Schauspielerin aus Stranger Than Paradise, ging dann kurz entschlossen runter und holte wütend eine Menge frisches Geld vom Bankomat, ging wütend einige Straßen entlang und besuchte Tobias Schamoni und hörte sich wütend Witze von ihm an und erzählte ihm dann auch drei wütende Witze, im ersten kam ein wütender Mann vor, der ganz wütend auf seinen Hausarzt war, im zweiten kam eine wütende Frau vor, die ganz wütend auf ihren Mann war und im dritten Witz trafen sich der wütende Hausarzt und die wütende Frau aus dem zweiten Witz und unterhielten sich über die anderen beiden Männer, die mittlerweile beide wütend waren, danach ging er wieder nach hause und traf im Flur die Nachbarin, der die Katze gehörte und tanzte mit ihr einen wütenden New Orleans Bounce, saß dann noch eine wütende Weile lang in seinem Sessel und blätterte ein wenig wütend in den Schriften der heiligen Teresa von Avila herum, aber las dann doch wütend noch zwei Bücher von Billy Childish, erinnerte sich dabei, dass er nachmittags wütend erst der Kellnerin vom Baaders, dann der wütenden Kellnerin vom Augustiner in der Fußgängerzone und zu guter Letzt noch der Wirtin vom Alten Kreuz ein richtig wütendes Trinkgeld gegeben hatte, und wie wütend er darüber geworden war, legte sich dann hin und dachte im Einschlafen an die komischen Jugendlichen, die vor Kurzem am Hauptbahnhof einem Koch begegnet waren, und ihn zwangen mitzukommen und ihm dann zuhause mit dem Bügeleisen das Gesicht verbrannt hatten, und wunderte sich, ob sie dabei wohl wütend gewesen waren, und ob der Koch es nun noch war, und dachte, er musste sicher wütend sein, schlief dann ein und schlief zehn Stunden lang wütend, wachte auf und musste über den Witz lachen, den ihm Tobias Schamoni im Rausgehen erzählt hatte, und der ihm nun wieder eingefallen war. Darin geht es um einen wütenden Mann, der ziemlich wütend ein paar Dinge an einem Tag erlebt, und alle Leute denken, er sei besonders wütend an diesem Tag, aber er ist nur ein bisschen wütend und nicht so wütend, wie die Leute glauben, dass er wütend ist, denn schließlich ist er der wütende Mann, und am Ende sind alle anderen viel wütender gewesen, auch wenn man es ihnen nicht so angesehen hat, aber der wütende Mann hat einfach nur einen ganz lustigen Tag gehabt.

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